Der perfekte Bewerbungsfoto-Hintergrund: Neutral oder dynamisch?

Victoria Büsch
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Zuletzt aktualisiert: 24.11.2021
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Lesedauer: 4 Min.

Kleiner Schocker vorab: Es gibt keinen perfekten Bewerbungsfoto-Hintergrund. Jedenfalls nicht universell für jeden. Welcher Hintergrund sich eignet, ist abhängig von deiner Branche und Stelle, auf die du dich bewirbst. In welcher Situation du mit welchem Hintergrund deine Chancen auf ein Vorstellungsgespräch steigern kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Eine sichere Nummer — der neutrale Graue

Sieht professionell aus, kann von der Helligkeit so gewählt werden, dass er einen Kontrast zu deinem Oberteil bildet und lenkt den Fokus auf dich. Das absolute “Go-to” also. Niemand würde sagen: “Eigentlich eine tolle Kandidatin, aber dieser graue Hintergrund — geht gar nicht!”

Bewerbungsfoto eines Mannes mit hellem, leicht gemusterten Hemd und dunkelgrauem Sakko auf hellgrauem Hintergrund

Bewerbungsfoto eines lächelnden Mannes mit gemustertem Sakko und weißem Hemd auf neutralem, grauen Hintergund | © Fotostudio KARRIEREPORTRAITS

Spannend und auffällig — ein schwarzer Hintergrund

Besonders für Jobs, in denen es auf Durchsetzungsvermögen und Charisma ankommt, geeignet: der schwarze Hintergrund. Er wirkt edel, professionell und verleiht dir eine starke, selbstbewusste Aura.

Achtung: Für manche Berufe ist ein schwarzer Hintergrund unpassend und too much! Bewirbst du dich beispielsweise auf eine Stelle als Krankenschwester oder Sekretärin im Kinderschutzbund, wirkt ein dunkler Hintergrund zu düster und unnötig dramatisch. Aber wie gesagt, für Führungspositionen kann ein schwarzer oder dunkler Hintergrund durchaus positiv auffallen.

Generell gilt: Der beste Hintergrund für ein Bewerbungsfoto ist sehr unaufregend. Je weniger man ihn wahrnimmt, desto besser. Hast du dich im Vorfeld schon etwas informiert und nach Beispielfotos gegoogelt, wirst du auch auf Umgebungs-Hintergründe und Verläufe gestoßen sein. Warum diese Optionen in den meisten Fällen aber suboptimal sind, erfährst du jetzt.

Bewerbungsfoto einer Frau auf schwarzem Hintergrund

Bewerbungsfoto einer lächelnden Frau auf schwarzem Hintergrund | © Fotostudio KARRIEREPORTRAITS

Verläufe — altbacken, aber in der Regel kein Ausschlusskriterium

Auf vielen Beispiel-Bewerbungsfotos wirst du ihn entdecken, den guten alten Verlauf. Wobei das “gut” sehr relativ ist… Eine Reihe an Fotostudios und Fotografen bieten ihn standardmäßig an, häufig von Weiß bis Hell-/Mittelgrau. Er entsteht, wenn Beleuchtung und Model nah am Hintergrund platziert sind, wird aber heutzutage in guten Studios lieber vermieden.

4 Bewerbungsfotos als Negativbeispiele mit radialem oder linearem Verlauf

Meine persönliche "Wand der Schande": Bewerbungsfotos mit radialem oder linearem Verlaufs-Hintergrund. Das Ergebnis einer Online-Recherche. Quellen nenne ich nicht, will ja kein "Fotografen-Shaming" machen... Wenn du nicht James Bond heißt, oder aus dem vorletzten Jahrhundert kommst, vermeide Hintergründe mit Verlauf.

Du zweifelst? Schau dir mal die Portfolios der Star-Porträtfotografen Peter Hurley oder Robert Read an und du wirst keinen deutlichen Verlauf finden.

Ein kleiner Verlauf ist immer da, das lässt sich nicht vermeiden und sorgt für Dynamik. Vor allem subtile Verläufe wirken gut und bringen eine angenehme Dynamik rein. Deutliche Verläufe hingegen sind ablenkend, billig und sind meiner Meinung nach auch ästhetisch zweifelhaft.

Gehst du zu einem Fotografen und kommst mit einem deutlichen Verlauf raus, ist das aber auch kein Weltuntergang. Da Verläufe insbesondere früher so gängig waren, sind viele Personaler daran gewöhnt und würden dich nicht deshalb aussortieren. Bewirbst du dich jedoch auf eine höhere Stelle sind die Ansprüche entsprechend höher und ein billig wirkendes Bewerbungsfoto mit Verlauf könnte dein Aus bedeuten.

Der bunte Hintergrund— spannend oder No-Go?

Spannend? Ja. No-Go? In den meisten Fällen: auch ja. Wenn du dich nicht gerade auf eine Stelle in einer Werbeagentur oder einem Konfetti-Start-up bewirbst, ist ein bunter Hintergrund tendenziell unangebracht.

Bewerbungsfoto einer jungen Frau vor buntem, gelben Hintergrund

Ein bunter Hintergrund ist mutig und in den meisten Branchen nicht angebracht. Bewirbst du dich jedoch bei einem sehr modernen, lockeren Arbeitgeber und möchtest unter vielen Bewerbern auffallen, kann ein bunter Hintergrund gut funktionieren. | Quelle: fotostudio-thomas.de

Gibt es jedoch sehr viele Bewerber und du unbedingt herausstechen willst, kann ein bunter Hintergrund tatsächlich nützlich sein. Informiere dich aber auf jeden Fall vorab, was für einen Eindruck dein anvisierter Arbeitgeber macht: Wirkt die Website und die darauf verwendete Sprache streng und traditionell oder ist das Unternehmen eher locker? Nur wenn die Firma einen lockeren Eindruck macht, solltest du ein buntes Bewerbungsfoto überhaupt in Erwägung ziehen.

Auch wichtig: Wenn du ein buntes Bewerbungsfoto nutzen willst, musst du in jedem Fall darauf achten, dass dein Outfit und deine Bewerbungsunterlagen farblich dazu passen. Beißt sich etwas oder wirkt unstimmig, gibt das Punktabzüge.

Der Umgebungshintergrund — schwierig und eher für die Führungsetage

Vergleich von 4 Bewerbungsfoto-Hintergründen: ein unechter Hintergrund, ein gelungener Büro-Hintegrund, ein ablenkender Outdoor-Hintergrund vor einer Mauer und ein gelungener Outdoor-Hintergrund mit ausreichend Schärfentiefe

Eine Outdoor- oder Büro-Umgebung als Bewerbungsfoto-Hintergrund ist eine Herausforderung und bietet keinen echten Vorteil gegenüber neutralen Studio-Hintergründen. Ein gelungener Umgebungs-Hintergrund ist in der Regel kostspielig und von äußeren Faktoren abhängig. Unechte oder ablenkende Hintergründe fallen eher negativ auf. | Quellen: cv-pics.de, hardy-welsch.de, fotojuwelier.de, wencke-lieber.de

Manche Fotostudios bieten gegen Aufpreis einen Hintergrundwechsel in Photoshop an. Dafür wirst du ausgeschnitten und vor ein unscharfes Büro-Ambiente geklatscht. Das soll dir helfen, ein besonderes Bild zu bekommen, das aus der Masse heraussticht.

Das Problem: Man merkt immer, dass es nicht echt ist, wenn auch nur unterbewusst. Und willst du bei deinem ersten Eindruck nicht authentisch wirken?

“Okay, dann mache ich es halt in echt!”, höre ich dich sagen. Möglich, aber schwierig. Und wenn es gut aussehen soll, teuer. Möchtest du eine Indoor-Office-Umgebung haben brauchst du, wer hätte es gedacht, eine Indoor-Office-Umgebung. Die muss man erst mal finden (Zeitaufwand) und dann mieten (teuer). Da bist du schnell mit einem dreistelligen Betrag dabei, und das nur für die Location!

“Gut, dann halt draußen!” Möglich, aber schwierig. Was ist, wenn es regnet? Oder die Sonne knallt und dir unvorteilhaftes, hartes Licht schenkt? Oder die nächsten modernen Gebäude für einen geeigneten Hintergrund 40 km entfernt sind? Außerdem muss das ganze Foto-Equipment transportiert werden, der Fotograf muss anreisen, du musst anreisen, alles sehr aufwendig und kostspielig. Und das alles nur für einen Hintergrund, der potenziell von dir ablenkt?

Wenn du dich nicht gerade auf eine Führungsposition bewirbst und dir eine echte Büro-Umgebung mieten oder den Aufwand für ein gelungenes Outdoor-Set-up leisten kannst, sage ich: Umgebungshintergrund, nein danke.

Zusammenfassende Tipps

  • Ein neutraler Hintergrund in grau bis hellgrau geht immer. Er lenkt den Fokus auf dich und wirkt professionell.

  • Ein schwarzer oder dunkler Hintergrund kann für Führungspositionen Attribute wie Stärke, Durchsetzungskraft und Charisma unterstreichen. In Berufen, in denen es um Freundlichkeit und Positivität geht, sind helle Hintergründe vorzuziehen.

  • Wenn Farbverlauf, dann so dezent wie möglich. Ein deutlicher Verlauf sieht altbacken und unprofessionell aus und lenkt von dir ab.

  • Bunte Hintergründe sind mutig und nur für sehr moderne Arbeitgeber wie manche Werbeagenturen oder Start-ups zu empfehlen.

  • Umgebungshintergründe sind nicht notwendig, sie bieten gegenüber neutralen Studio-Hintergründen keinen echten Vorteil. Für Führungspositionen können sie jedoch, solange sie echt sind und eine zur Stelle passende Szenerie mit ausreichendem Schärfentiefe-Effekt haben, gut funktionieren. Achtung: Gute Outdoor- oder Büro-Fotoshootings sind aufwendig und teuer.

Du willst noch mehr? Schau dir hier unsere Bewerbungsfoto-Tipps für Frauen, Bewerbungsfoto-Tipps für Männer oder Mimik-Tipps fürs Bewerbungsfoto an.

Du kommst aus dem Ruhrgebiet und dir fehlt nur noch ein schönes Portrait für deine Bewerbungsunterlagen? Schau dir doch mal unseren Service für Bewerbungsfotos in Dortmund an.

Die Autorin:

Victoria Büsch

Auch bekannt als Vicky. Portrait-Fotografin und auf professionelle Bewerbungsfotos, Portraits und Passbilder spezialisiert.